Urs Britt
aus Wattwil hofft, bald mehr Hirsch-Stiere schiessen zu dürfen.
Im Rahmen der Entlastungsmassnahmen 2026plus plant der Kanton St. Gallen, die Beiträge an Kulturinstitutionen zu kürzen. Für 2027 sind Einsparungen von 5,5 Prozent vorgesehen, für 2028 von 14,5 Prozent. 67 Kulturinstitutionen sprechen sich dagegen aus, darunter der Kulturtreff Rotfarb in Uznach und artefix kultur und schule in Rapperswil-Jona.
Region Kultur sei kein Luxus, sondern bereichere das Leben, schaffe Begegnungen und stärke die Identität einer Region. Mit diesen Argumenten wehren sich 67 Kulturinstitutionen gegen die geplanten Sparmassnahmen des Kantons St. Gallen. Sie warnen vor den Folgen für das kulturelle Angebot. Auch der Kulturtreff Rotfarb in Uznach wäre von den Kürzungen betroffen. «Für uns wären die fehlenden Beiträge ein herber Verlust», sagt Vereinspräsident Markus Meier. Bei hauptsächlich ehrenamtlichen Mitgliedern und fast 100 freiwilligen Helfern
sei das Budget generell schon knapp. «Wir sind auf die kantonalen Beiträge angewiesen», betont er. Eine Kürzung um 14,5 Prozent würde beim Kulturtreff Rotfarb rund 6000 Franken ausmachen. Diesen Betrag könne der Verein nicht einfach selbst aufbringen. Die Alternative wäre, die Eintrittspreise zu erhöhen oder das Programm zu kürzen. Beides sieht Meier kritisch: «Bei beiden Optionen wären entweder unsere Besucherinnen und Besucher oder die Kunstschaffenden die Leidtragenden.» Das Publikum müsste mehr für den Eintritt bezahlen oder für Kulturangebote längere Wege in Kauf nehmen. Gleichzeitig würden die Auftrittsmöglichkeiten für Kunstschaffende weiter eingeschränkt. Auch die Förderung weniger bekannter Künstlerinnen und Künstler könnte unter Druck geraten. Der Kulturtreff Rotfarb bietet auch lokalen Kunstschaffenden und Newcomern eine Bühne. Sollten die Kürzungen umgesetzt werden, müsse sich der Verein überlegen, ob er diese Möglichkeit weiterhin bieten könne oder sich stärker auf bekannte Namen konzentrieren müsse, sagt Meier.
Die geplanten Kürzungen würden auch die Kulturvermittlung treffen, wie beispielsweise artefix kultur und schule in Rapperswil-Jona. Der Verein organisiert Führungen und Workshops für Schulklassen, begleitet Ausstellungen und entwickelt Vermittlungskonzepte und -materialien. Nach eigenen Angaben erreicht er jährlich rund 1200 Kinder und Jugendliche. «Das ist das Ergebnis unserer langjährigen Aufbauarbeit», sagt Tatiana Witte, Leiterin von artefix kultur und schule. Streichungen von Angeboten für Schulklassen wolle die Organisation möglichst vermeiden. Mittelfristig sei jedoch nicht auszuschliessen, dass jährlich ein Angebot weniger durchgeführt werden müsse. «Das wäre sehr bedauerlich. Denn dadurch wären sowohl die Schulkinder als auch die Kulturhäuser, deren Ausstellungen wir begleiten, betroffen», so Witte. Die kantonale Unterstützung gebe artefix Planungssicherheit bei der Entwicklung gemeinsamer Vermittlungsprojekte. Sie trage dazu bei, die Angebote attraktiv und qualitativ gut umzusetzen, erklärt Witte. In den Workshops setzten sich Kinder mit gesellschaftlich relevanten kulturellen Themen auseinander und entdeckten neue, kreative Perspektiven. Ausserhalb des Schulkontexts entstünden dabei wertvolle
Erlebnis- und Lernorte. «Das erhält in unserer komplexen Welt eine äusserst wichtige Bedeutung», sagt Witte.
Welche konkreten Anpassungen in der Kulturbranche nötig wären, falls die Sparmassnahmen tatsächlich umgesetzt werden, ist derzeit noch offen. Meier hofft, dass der gemeinsame Appell der 67 Institutionen beim Kanton Gehör findet und die Bestandesgarantie greift. Diese soll sicherstellen, dass der Kulturbereich durch die geplante Neuverteilung der Gelder nicht weniger Mittel erhält. Vorgesehen ist, dass die Kulturförderung künftig mindestens so viel Geld aus dem Lotteriefonds erhält wie im Durchschnitt der Jahre 2022 bis 2024. Auch Witte erwartet
von der St. Galler Regierung und dem Kantonsrat, dass diese die geplanten Kürzungen sorgfältig abwägen. «14,5 Prozent sind sehr einschneidend», betont sie.
Shannon Senn
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