Walter Sonderer
gründete vor 21 Jahren die Toggenburger und See & Gaster Zeitung.
Roger Federer ist in sein neues Anwesen in Rapperswil-Jona eingezogen. Das rund 16'000 Quadratmeter grosse Grundstück direkt am Zürichsee sorgt für Aufmerksamkeit und wirft Fragen zu den Kosten, dem öffentlichen Seezugang und dem Umgang mit prominenten Einwohnern auf.
Rapperswil-Jona Ein eigener Tennisplatz, ein grosser offener Pool und eine parkähnliche Anlage: Roger Federers neues Zuhause in Rapperswil-Jona bietet reichlich Platz zum Leben und Entspannen. Und das alles direkt am begehrten Zürichsee. Das Grundstück umfasst rund 16'000 Quadratmeter. Darauf stehen unter anderem sechs Gebäude, dazu kommt eine Tiefgarage. Die Kosten werden auf rund 70 Millionen Franken geschätzt. Auch auf dem eigenen Tennisplatz ist klar, wer hier zu Hause ist: An der Wand prangt Federers Logo «RF». Die Anlage ist so weitläufig, dass der Hausherr seine Wege wohl sogar mit einem Golfcart zurücklegen könnte. Nach jahrelangen Bauarbeiten wohnt der 20-fache Grand-Slam-Sieger inzwischen mit seiner Familie dort. Anwohnende haben abends Licht im Hause Federer gesehen.
Was ein solches Anwesen so teuer macht, weiss Anisa Imhof, Content Creator für Luxusimmobilien. Gegenüber Nau.ch sagt sie: «Grundsätzlich gehören Grundstücke mit direktem Seeanstoss am Zürichsee zu den exklusivsten
und begehrtesten Lagen der Schweiz.» Entsprechendes Bauland sei äusserst begrenzt. Zum Grundstückspreis kommen bei solchen Neubauten zahlreiche weitere Kosten: individuelle Architektur, hochwertige Materialien, komplexe Gebäudetechnik, Sicherheitskonzepte und eine aufwendig gestaltete Umgebung. «In diesem Segment können deshalb durchaus Investitionsvolumen in zweistelliger Millionenhöhe erreicht werden», sagt Imhof. Ob die schon länger kursierende Schätzung von 70 Millionen Franken bei Federers Anwesen zutrifft, lässt sie ausdrücklich offen. Ohne detaillierte Kenntnisse des Grundstücks und des Bauprojekts lasse sich diese nicht seriös beurteilen. Vergleichbare Anwesen gibt es laut Imhof vor allem an privilegierten Lagen am Zürich- und Genfersee sowie in St. Moritz. Direkte Preisvergleiche sind allerdings schwierig. «Gerade im obersten Preissegment werden Immobilien häufig diskret und ausserhalb des öffentlichen Marktes vermittelt.» Ein vollständiger Überblick über vergleichbare Objekte und die tatsächlich bezahlten Preise sei deshalb kaum möglich. Generell beobachtet Imhof in diesem Segment eine Vorliebe für moderne, zeitlose Architektur: klare Linien, grosse Glasfronten und fliessende Übergänge zwischen innen und aussen. An Seelagen seien zudem Licht, Aussicht und die Einbettung in die Umgebung zentral. Federers Architektur selbst möchte sie aus Rücksicht auf die Privatsphäre der Eigentümer nicht beurteilen.
Was bedeutet es für Rapperswil-Jona, wenn eine international bekannte Persönlichkeit wie Roger Federer hier wohnt? Die Stadt freut sich darüber, dass sie auch für Menschen attraktiv ist, die über die Region hinaus bekannt sind. «Rapperswil-Jona ist ein attraktiver Wohn- und Lebensort mit hoher Lebensqualität, einer besonderen Lage am Zürichsee und einem vielfältigen Angebot», sagt Anina Peter von der Fachstelle Kommunikation der Stadtkanzlei. Ein Zuzug bekannter Persönlichkeiten könne zusätzliche Aufmerksamkeit auf den Wohnort lenken. Das Bild der Stadt werde jedoch von vielen weiteren Faktoren geprägt, wie Peter betont. Dazu gehörten die Lage am Zürichsee, die historische Altstadt mit dem Schloss sowie das vielfältige Kultur-, Sport- und Freizeitangebot. Gleichzeitig betont die Stadt den Anspruch aller Einwohnerinnen und Einwohner auf Privatsphäre. «Bekanntheit ändert nichts am Anspruch auf Privatsphäre.» Die Stadt verstehe zwar, dass bei bekannten Persönlichkeiten ein öffentliches Interesse bestehe. Ihre Aufgabe sei es jedoch auch, persönliche Daten und die Privatsphäre zu schützen. Deshalb gebe sie grundsätzlich keine Auskünfte über die persönlichen Verhältnisse einzelner Privatpersonen. Über Angelegenheiten von öffentlichem Interesse und ihr eigenes Handeln informiere die Stadt transparent. Das Privatleben ihrer Einwohnerinnen und Einwohner gehöre hingegen grundsätzlich nicht dazu – unabhängig davon, wie bekannt jemand sei.
Und wie kommt der prominente Neuzuzüger bei der Bevölkerung an? Peter lässt sich vom berühmten Neuzuzüger wenig beeindrucken. «Roger Federer ist ein Mensch wie jeder andere. Ich denke nicht mal, dass die Steuern hier sinken wegen ihm. Dafür bräuchte es ein paar Reiche mehr», sagt er gegenüber Nau.ch. Ein Mitarbeiter eines Lebensmittelladens würde den Tennisstar dagegen gerne wiedersehen. Er hat Federer nach eigenen Angaben bereits vor einem Jahr in der Gegend gesehen. «Ich würde mich freuen, ihn hier wieder anzutreffen. Roger Federer ist eine lebende Legende.» Anwohnerin Ivana beschäftigt vor allem der Zugang zum Wasser. «Ich finde es schade, dass die normalen Leute da vorne nicht an den See können. Aber wer Geld hat, hat mehr Möglichkeiten.» Damit spricht sie einen Streit an, der das Bauprojekt seit Jahren begleitet. Schon vor dem Baustart Ende 2019 forderten Seeufer-Schützer einen öffentlich zugänglichen Weg entlang von Federers Grundstück. Einen solchen gibt es dort bis heute nicht. Die Kritik am fehlenden Uferweg schmälert Ivanas Freude über eine mögliche Begegnung aber nicht.
Bis die Familie ihr neues Zuhause beziehen konnte, brauchte sie Geduld. Ursprünglich war der Einzug auf Ende 2021 geplant. Doch das Projekt geriet mehrfach ins Stocken. Wegen einer Belastung mit altem Bauschrott mussten rund 90 Zentimeter Boden abgetragen werden. Unklarheiten um eine Mauer am Seeufer führten 2021 zu einem zwischenzeitlichen Baustopp. Auch wechselte Federer den Architekten. Im Herbst 2024 stoppte der Bund schliesslich das geplante Bootshaus-Projekt. Auf dessen Bau verzichtete der Tennisstar letztlich. Nun scheint die lange Baugeschichte weitgehend abgeschlossen. Ob die Nachbarn dem Tennisstar künftig persönlich begegnen, bleibt offen.
Nico Leuthold, Stephan Felder, Shannon Senn
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