Rolf Knie
kann sich in seinem Atelier in St. Gallenkappel künstlerisch ausleben.
Die geplante Streichung der Buslinien 184 und 185 sowie der Abendverbindungen der Linie 186 sorgt im Neckertal für Kritik. Gemeindepräsident Christian Gertsch warnt vor einer schlechteren Erschliessung und fordert, Alternativen zu prüfen.
Neckertal Die geplanten Sparmassnahmen beim öffentlichen Verkehr könnten das Neckertal besonders
in den ländlichen Gebieten treffen. Vorgesehen ist unter anderem die vollständige Streichung der Buslinien 184 und 185 sowie der Abendverbindungen der Linie 186. Gemäss Gemeindepräsident Christian Gertsch hätte dies spürbare Folgen für die Bevölkerung. «Die Erschliessung einzelner Dörfer und Weilerim Neckertal würde sich deutlich verschlechtern», sagt er. In ländlichen Gebieten seien die Busverbindungen wichtig, weil es oftmals keine anderen Möglichkeiten gebe, als auf den privaten Verkehr auszuweichen. Besonders Menschen ohne Auto würde der Wegfall einer Verbindung erheblich beschränken. Gertsch weist zudem darauf hin, dass die betroffenen
Linien nicht isoliert betrachtet werden können. Sie seien auch wichtige Zubringer für übergeordnete Verbindungen des öffentlichen Verkehrs. «Werden solche Verbindungen auf der ‹letzten Meile› gestrichen, verliert damit auch das gesamte ÖV-Angebot an Attraktivität», sagt er. Auch für die Entwicklung der kleineren Dörfer sieht der Gemeindepräsident mögliche Folgen. Die Gemeinde Neckertal verfolge bewusst die Strategie, ihre verschiedenen Dörfer zu stärken und als attraktive Wohn- und Lebensorte zu erhalten. Eine angemessene Erschliessung mit dem öffentlichen Verkehr gehöre dazu. «Gerade im ländlichen Raum sollte darauf geachtet werden, dass Sparmassnahmen nicht zu einer weiteren Konzentration der Angebote auf die Zentren führen.»
Eine besondere Rolle spielen die Linien 184 und 185 für den Schulverkehr. Sie könnten deshalb aus Sicht der Gemeinde nicht einfach ersatzlos gestrichen werden. Falls das bestehende Angebot wegfalle, müsse geklärt werden, wie die notwendigen Schülertransporte künftig sichergestellt werden. Eine mögliche Folge wären zusätzliche Schulbus-Lösungen durch die Gemeinde. «Damit würden letztlich Kosten vom Kanton beziehungsweise vom öffentlichen Verkehr auf die Gemeinde verlagert», sagt Gertsch. «Ob dies unter dem Strich tatsächlich eine sinnvolle Einsparung darstellt, müsste gesamthaft betrachtet werden.» Dass der Kanton die Wirtschaftlichkeit der Linien anhand von Auslastung und Kostendeckungsgrad überprüft, kann Gertsch nachvollziehen. Im ländlichen Raum dürfe der öffentliche Verkehr jedoch nicht allein nach denselben Kriterien beurteilt werden wie in dicht
besiedelten Gebieten. Eine Grunderschliessung verursache bei kleineren Fahrgastzahlen zwangsläufig höhere Kosten pro Person. Gleichzeitig erfülle sie eine wichtige öffentliche Aufgabe.
Vor einer vollständigen Streichung möchte Gertsch deshalb verschiedene Alternativen prüfen. Denkbar seien etwa reduzierte Fahrpläne, eine stärkere Ausrichtung auf Schul- und Pendlerzeiten oder andere bedarfsgerechte Angebotsformen. «Entscheidend ist, dass eine bestehende Erschliessung nicht vorschnell vollständig aufgegeben wird», sagt Gertsch. Die Gemeinde beteiligt sich laut ihm bereits heute über die gesetzlichen Vorgaben hinaus an den Kosten des öffentlichen Verkehrs, um wichtige Postautolinien im Tal zu erhalten. Ob zusätzliche Beiträge für einzelne Verbindungen möglich und sinnvoll wären, müsse der Gemeinderat anhand eines konkreten Angebots beurteilen. Direkte Gespräche mit dem Kanton über die konkret vorgeschlagenen Streichungen hätten bisher noch nicht stattgefunden. Gertsch kann sich jedoch vorstellen, vorausschauend den Kontakt zu suchen. «Dabei geht es nicht nur darum, die bestehenden Angebote unverändert weiterzuführen», betont er. Auch reduzierte Fahrpläne oder stärker auf die tatsächlichen Bedürfnisse ausgerichtete Lösungen sollten geprüft werden.
Vom Kantonsrat erwartet Gertsch, dass bei der Entscheidung nicht nur die kurzfristige finanzielle Einsparung berücksichtigt wird. Auch die längerfristigen Auswirkungen auf den ländlichen Raum, die Erschliessung der Dörfer und Weiler sowie der Schulverkehr müssten in die Beurteilung einfliessen. Gleichzeitig sieht er auch die Gemeinde in der Verantwortung, gemeinsam mit dem Kanton nach tragfähigen und finanzierbaren Lösungen zu suchen. «Eine Sparmassnahme ist letztlich wenig zielführend, wenn dadurch lediglich Kosten auf die Gemeinden verlagert werden oder wenn eine bestehende ÖV-Erschliessung dauerhaft verloren geht.»
Shannon Senn
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