Roger Blatter
gestaltete mit Freunden die Fasnacht Ebnat-Kappel neu.
Eschenbach hat ein kreatives neues Angebot: Mit dem Malspiel eröffnete die Auftragsmalerin Kathrin Corvaglia einen besonderen Ort für freies Malen – ganz ohne Leistungsdruck und Bewertung.
Eschenbach Das Konzept des freien Malens orientiert sich an der Philosophie des Pädagogen Arno Stern. «Der Fokus liegt auf dem Malprozess, nicht auf dem perfekten Endergebnis», erklärt Corvaglia. Dies war der 44-Jährigen aus Neuhaus besonders wichtig. «Ich wollte nichts Klassisches anbieten, wo nach Vorschriften und Anleitung gemalt werden muss.» Im Malspiel gibt es nur wenige Regeln – diese betreffen vor allem den respektvollen Umgang mit den Materialien wie Pinseln, Farben und Papier. Daneben gibt es unausgesprochene Vereinbarungen, die sich aus dem Malprozess ergeben, wie etwa, dass hier gemalt und nicht geschrieben wird. Gemalt wird an der Wand, auf grossflächigem Papier und mit hochwertigen, veganen Pinseln.
Im Malspiel malen Kinder und Erwachsene gemeinsam – ganz im Sinne von Arno Stern, der die Begegnung von Gross und Klein im kreativen Tun als besonders bereichernd sieht. Die gemischten Gruppen schaffen eine inspirierende Atmosphäre, in der jeder seinen eigenen Ausdruck findet, unabhängig vom Alter. «In unserer leistungsorientierten Welt verlieren wir oft den Zugang zu unserer eigenen Fantasie, weil wir ständig bewertet werden: gut oder schlecht, schön oder hässlich», sagt Corvaglia. Es ist ihr ein Anliegen, dass die Teilnehmenden im Malspiel wieder zu sich selbst finden können. Zudem soll durch den Malprozess das Selbstvertrauen gestärkt werden. Wenn ein Bild anfangs nicht gefällt, kann es nicht einfach weggeworfen und neu begonnen werden, sondern wird fertiggestellt. «Zu merken, dass etwas gelingen kann, mit dem man nicht von Beginn an glücklich war, ist eine wertvolle Erkenntnis – auch für das Leben ausserhalb des Ateliers», so Corvaglia. Das Angebot umfasst auch spezielle Formate: Am 30. August etwa findet das erste Neonpainting für Erwachsene statt – inklusive eines Cüplis. Hier wird neben dem Malprozess auch das gesellige Zusammensein gefördert. Daneben gibt es Formate wie Guide Painting, Geburtstagsmalen, Gruppenevents und Malzeit zu zweit – ein gemeinsames Malerlebnis für Kinder und eine Bezugsperson. Gerade Väter, die anfangs meinen, Malen sei «nichts für sie», entdecken dabei neue Seiten.
Die bisherige Resonanz ist positiv: Kinder wie Erwachsene nehmen das Angebot neugierig an und das erste Neonpainting für Erwachsene war sofort ausgebucht. Für die Zukunft des Malspiels hat Corvaglia bereits Ideen: Das Atelier könnte wachsen und Events wie das Neonpainting auf Partys und Veranstaltungen durchgeführt werden. Corvaglias grösster Wunsch ist jedoch die Zusammenarbeit mit Schulen. Dabei würden die Schülerinnen und Schüler regelmässig zum freien Malen das Atelier besuchen, um zur Ruhe zu kommen, ganz sie selbst zu sein und ihrer Fantasie ohne Bewertung freien Lauf zu lassen. Mit dem Malspiel ist in Eschenbach ein Raum entstanden, der Kreativität ohne Druck ermöglicht. Ob Kinder, die unbeschwert ihrer Fantasie folgen, oder Erwachsene, die Malen neu für sich entdecken: Das Angebot schliesst eine Lücke in der Region. Wie gross das Potenzial ist, zeigen die ersten positiven Rückmeldungen.
shs
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