Peter Lenz
aus Uznach weiss als Pilzkontrolleur, worauf man beim Pilzesammeln achten sollte.
In Wattwil und Gommiswald existieren zwei Klöster, die Menschen auf ganz eigene Weise Raum für Heilung, Spiritualität und Sinnsuche bieten. Ein Blick hinter die Mauern der Fazenda da Esperança in Wattwil und des Frauenklosters Berg Sion in Gommiswald zeigt, wie vielfältig klösterliches Leben heute sein kann.
Region In den Räumen des Klosters in Wattwil befindet sich seit 2012 die Fazenda da Esperança – eine Lebensgemeinschaft für Menschen mit dem Wunsch nach einem Neuanfang. Die meisten Bewohnenden kämpfen mit Abhängigkeiten und möchten von ihrer Sucht loskommen. Cornel Huber, derzeitiger Leiter der Fazenda in Wattwil, beschreibt die Gemeinschaft als Familie, nicht als Therapieeinrichtung. Er selbst wohnt auch im Innern des Klosters in einer eigenen Wohnung. «Im Schnitt leben drei bis vier Personen bei uns», sagt Huber. Doch die Zahl variiere ständig – je nachdem, wer Hilfe sucht und wer bleiben will. Das Leben auf der Fazenda folgt einem klaren Rhythmus, geprägt von drei zentralen Elementen: Arbeit, gemeinschaftliches Leben und Spiritualität. Es gibt strikte Regeln zu befolgen: Alkohol, Drogen und Mobiltelefone sind nicht gestattet. Auch an den Wochenenden bleiben die Bewohner auf dem Gelände. «So verhindern wir, dass sie mit ihrem Suchtmittel in Berührung kommen», erklärt Huber.
Doch der Weg zur Heilung ist kein einfacher. Von zehn Anfragen führen schlussendlich nur ein bis zwei zu einem Eintritt in die Fazenda. Und selbst dann bleibt nur ein Teil der Menschen das ganze Jahr über, wie es eigentlich vorgesehen wäre. «Der kürzeste Aufenthalt dauerte gerade einmal drei Stunden», sagt Huber schmunzelnd. Einige schaffen es jedoch, das Jahr zu vollenden – und wollen noch länger bleiben. Zuerst müssen sie aber draussen in der «realen Welt» klarkommen. «Bei uns konnten sie sich auf sich konzentrieren und darauf, Mensch zu werden», erklärt Huber. «Draussen müssen sie lernen, sich durchzusetzen und mit der Konsumwelt klarzukommen.» Wer danach den Wunsch verspüre, zurückzukehren und das Leben in der Fazenda zu vertiefen, sei herzlich willkommen. Zu Beginn war die Skepsis in Wattwil gross. «Viele blickten uns kritisch entgegen und fragten sich, ob unser Konzept funktionieren kann», erinnert sich Huber. Heute ist die Fazenda fester Bestandteil der Region: Weit über 1000 Menschen besuchen jährlich die Gemeinschaft – viele davon als Pilger, die auch im Kloster übernachten.
Nur wenige Kilometer entfernt, in Uetliburg auf dem Gemeindegebiet von Gommiswald, liegt das Frauenkloster Berg Sion. Es gehört dem katholischen Prämonstratenserorden an. Der Name leitet sich vom Gründungsort in Prémontré in Nordfrankreich ab und bedeutet übersetzt so viel wie «der (von Gott) gezeigte Ort». Weltweit zählt der Orden heute mehr als 1600 Mitglieder in über 80 Klöstern – doch in der Schweiz ist Berg Sion das einzige, das bis heute aktiv betrieben wird. Schon seit dem Mittelalter ist Uetliburg ein Ort der Einkehr. Durch seine Lage am Pilgerweg nach Maria Bildstein und Einsiedeln zog es über die Jahrhunderte immer wieder Gläubige an. Auch heute noch ist das Kloster Berg Sion ein Ort der Stille und des Rückzugs – genau wie das Kloster in Wattwil bietet es Pilgerinnen und Besuchern die Möglichkeit, dort zu übernachten. Beide Klöster zeigen auf, wie gelebter Glaube heute aussehen kann. Die Fazenda da Esperança bietet Halt für Menschen in schwierigen Lebenssituationen, das Kloster Berg Sion Raum für Stille und Gebet. Gemeinsam zeigen sie: Klöster sind auch heute noch Orte der Hoffnung und Orientierung. ⋌shs
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