Roger Blatter
gestaltete mit Freunden die Fasnacht Ebnat-Kappel neu.
Der Pilzverein Toggenburg besteht seit 1978. Die Mitglieder treffen sich regelmässig, um Pilze zu bestimmen und unternehmen Exkursionen, bei denen sie in Toggenburger Waldgebieten gemeinsam Pilze suchen.
Toggenburg Den Pilzverein Toggenburg gibt es seit fast 50 Jahren. Ursprünglich wurde er gegründet, um das Wissen über essbare und giftige Arten zu fördern. Dieses Anliegen war aufgrund zahlreicher Pilzvergiftungen besonders wichtig. Heute steht neben der Aufklärung vor allem die gemeinsame Leidenschaft im Vordergrund. Die Mitglieder treffen sich regelmässig im Spätsommer und Herbst zu Bestimmungsabenden und sammeln zwei- bis dreimal pro Saison zusammen Pilze.
Jeweils am Mittwochabend kommen sie im Restaurant I Due Fratelli in Wattwil zusammen, um selbst mitgebrachte Pilze zu bestimmen. Für Jakob Arca-Tschudi, technischer Leiter des Vereins, sind diese Treffen immer von Überraschungen geprägt. Die Ausbeute sei stark von den Wetterbedingungen abhängig. «Wenn es zu trocken ist, finden wir nur wenige Pilze», sagt der 28-Jährige aus Lütisburg Station. «In einer guten Saison haben wir manchmal aber auch bis zu 60 verschiedene Sorten an einem Bestimmungsabend.» Dieser Sommer startete mit sehr guten Bedingungen für die Pilze. «Dank des nassen Julis gab es bereits früh viel zu sammeln», erklärt Arca-Tschudi. Anfang August jedoch war es in manchen Gebieten bereits wieder zu trocken. «Wir sind gespannt, was der Spätsommer bringt und hoffen, noch etliche Pilze zu finden.»
Jedes Jahr widmet sich der Verein einem besonderen Schwerpunktthema. Dieses Jahr: die Artenkunde. Arca-Tschudi hat vor zwei Jahren die Prüfung zum Pilzkontrolleur absolviert und möchte nun sein Wissen an die anderen weitergeben. «Mir ist es wichtig, dass die Mitglieder ihre Pilze einfacher und effizienter bestimmen können», sagt er. Dabei gehe es nicht nur um das Erkennen einzelner Arten, sondern auch um eine systematische Herangehensweise, die einen besseren Überblick ermöglicht. Um dieses Ziel zu erreichen, ersetzt ein spezieller Vortrag zum Thema «Artenkunde – Unterschiede zwischen Ritterlingen und Wulstlingen» einen der regulären Bestimmungsabende. Anders als bei den praktischen Treffen liegt der Fokus hier ganz auf der Theorie. Ein Aspekt, der sonst aus Zeitgründen meist zu kurz kommt.
Zurzeit zählt der Pilzverein Toggenburg rund 80 Mitglieder. Arca-Tschudi hofft, dass er weiterwächst und insbesondere, dass mehr Junge beitreten. Für ihn ist das Engagement im Verein ein guter Alltagsausgleich. «Pilze begeistern mich», schwärmt er. «Es gibt unzählige Formen, Farben und Gerüche.» Besonders fasziniere ihn die Vielfalt in der Region: «Ich finde es beeindruckend, wie viele verschiedene Sorten man allein in den Toggenburger Wäldern finden kann.» Wer diese Begeisterung teilt, ist eingeladen, dem Verein beizutreten. Für diejenigen, die einfach nur wissen möchte, ob ihre Funde essbar sind oder nicht, gibt es zudem ein Angebot: Im Gemeindehaus Wattwil finden jeweils am Sonntag von 17 bis 18 Uhr öffentliche Pilzkontrollen statt. Dort kann man, unabhängig vom Verein, seine Pilze überprüfen lassen. Eine Vorsicht, die sich lohnt – denn in der Region wachsen auch hochgiftige Arten wie der Grüne Knollenblätterpilz. Er sieht harmlos aus – ist es aber nicht. «Bereits 50 Gramm können einen Erwachsenen töten», warnt Arca-Tschudi. Deshalb empfiehlt er allen, ihre Funde vor dem Verzehr prüfen zu lassen. Der Pilzverein Toggenburg zeigt, wie vielfältig und spannend die Welt der Pilze direkt vor der Haustür sein kann. Er verbindet Fachwissen mit Leidenschaft und sorgt für Sicherheit im Umgang mit den Funden aus dem Wald. ⋌shs
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