Raimond Gatter
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Der Verein «Elefanten in Not» unterstützt seit 2014 Elefanten in Indien. Gründerin Brigitte Kornetzky aus Brunnadern reist seit 15 Jahren dorthin, um zu helfen.
Brunnadern Aktuell läuft ein wichtiges Projekt in Assam: Weil ihr Lebensraum zerstört ist, ziehen die heimatlosen Elefanten durch Felder und Teeplantagen. Der Verein sucht nach Lösungen für ein besseres Zusammenleben zwischen den aufgebrachten Menschen und den gefrässigen Dickhäutern.«Alles begann mit einem Versprechen», erzählt Brigitte Kornetzky, Präsidentin des Vereins «Elefanten in Not». Als sie im Jahr 2010 in Indien war, traf sie in Jaipur auf ein Elefantendorf. Die Tiere dort wurden unter schlimmen Umständen gehalten. Sie waren verletzt, angekettet und ständig der Sonne ausgesetzt. Der Profit und der Tourismus standen über dem Tierwohl. Darunter litt auch die schwerkranke Elefantenkuh Sita. Als sie sich ablegte, kämpfte Kornetzky dafür, Sitas Leiden ein Ende zu setzen. «Wenn Elefanten nach vier, fünf Tagen nicht mehr aufstehen, sterben sie», erklärt sie. Erst nach einer erneuten Klage bei der CZA, der Zentralen Zoobehörde in Dehli, wurde bewilligt, Sita einschläfern zu lassen. Dies sollte die erste Einschläferung eines Elefanten in Indien werden. Doch bevor es so weit war, gab ihr Kornetzy ein Versprechen: So etwas sollte nie wieder geschehen. Von nun an würde sie sich um Sitas Artgenossen kümmern. Zwei Jahre später, im Jahr 2014, wurde dieses Versprechen Wirklichkeit – mit der Gründung des Vereins «Elefanten in Not».
Aktuell beschäftigt sich der Verein mit einem grossen Projekt in Assam, im Nordosten von Indien. «Dort leben aktuell über 32 Millionen Einwohner und geschätzte 5800 Elefanten», berichtet Kornetzky, «das sind einfach zu viele – und zu wenig Platz.» Der Wald, in dem die Tiere leben, wird durchzogen von menschlichen Siedlungen und deren Anbaufeldern. «Der Wald schrumpft und Teeplantagen und Reisfelder entstehen. Da ist es nur logisch, dass die Elefanten sich an dem schmackhaften Reis bedienen.» Die Bauern versuchen mit allen Mitteln ihre Felder zu verteidigen. Sie werfen Steine und brennende Speere, und versuchen, mit Stacheldrahtzäunen und tiefen, unüberwindbaren Gräben die Wanderlust der Tiere einzudämmen. «Schwarztee und Reis aus Assam hat auch in der Schweiz einen Absatzmarkt. Niemand weiss von dem Desaster», sagt Kornetzky.
All dies führt zu zunehmenden Konflikten zwischen Mensch und Tier. Wenn Elefanten Strassen überqueren, bewerfen vor allem Jugendliche sie mit Steinen und nehmen das Geschehen auf. «Je dramatischer und je provokativer die Situation, desto mehr Klicks gibt es auf Social Media, und womöglich auch ein bisschen Geld», sagt Kornetzky. Doch das birgt grosse Gefahren. Einmal tötete ein Tier einen jungen Mann, der in einer Steine werfenden Menge Jugendlicher ins Straucheln kam und stürzte. «Der Elefant zertrampelte ihn regelrecht», erinnert Kornetzky in ihrem jüngsten Dokumentarfilm «Elephants, From Zero to Hero». «Das zeigt, dass ein Elefant eben auch Gefühle hat. Er wollte damit klarmachen, dass er sich nicht alles gefallen lässt. Genug ist genug!» Ziel des Vereins ist es nun, die Lage in Assam zu entschärfen. Dafür sollen die Menschen dort zu einem Miteinander überzeugt werden. «Nur wenn wir es schaffen, dass die Leute die Anwesenheit der Elefanten respektieren, kann es funktionieren», betont Kornetzky. Deshalb soll Aufklärungsarbeit in den dortigen Schulen betrieben werden. Die Jugendlichen müssen lernen, für und nicht gegen die Tiere zu arbeiten. Zudem sei es wichtig, dass sich die Elefanten nicht mehr verletzen und genügend Futter zur Verfügung haben. Die Stacheldrähte müssen verschwinden, der Wald aufgeforstet und angrenzend an die Waldgebiete nährreiche Gräser für die Tiere angepflanzt werden. «Somit verhindern wir, dass die Elefanten überhaupt bis in die Reisfelder vordringen», erklärt Kornetzky. So sei Mensch und Tier geholfen. Um diese Ziele zu erreichen, arbeitet der Verein in Assam eng mit lokalen Organisationen zusammen. Dabei stösst er auf offene Türen: «Die Menschen vor Ort sind dankbar, wenn jemand helfen will, ohne eigene Interessen zu verfolgen», erzählt Kornetzky.
«Elefanten in Not» ist gemeinnützig und steuerbefreit. «Wir verdienen kein Geld mit unserer Arbeit», erklärt Kornetzky. «Trotzdem brauchen wir finanzielle Mittel, um die kostspieligen Projekte zu stemmen. Wir sind auf Spenden angewiesen.» Es gibt aber auch andere Wege, um den Verein zu unterstützen. Etwa durch Aufklärungsarbeit. Ein konkreter Vorschlag von Kornetzky: Unterrichtsstunden an Schulen, Aufklärung über Wildlife und Elefanten. «Wenn Kinder lernen, warum sie in den Ferien nicht auf diesen prächtigen Tieren reiten sollten, wäre das bereits ein grosser Schritt», sagt sie. Ausserdem plant Kornetzky derzeit ein besonderes Projekt: Künftig sollen Interessierte die Möglichkeit erhalten, die Situation in Indien hautnah mitzuerleben und den Verein eine Woche lang vor Ort zu begleiten.Für die Zukunft von «Elefanten in Not» hat Kornetzky einen klaren Wunsch: «Der Verein soll über mich hinaus weiterleben und wachsen. Ich wünsche mir, dass mein Versprechen an Sita auch in Zukunft eingehalten werden kann.» Dafür braucht es engagierte Unterstützung – nicht nur in Indien, sondern auch im Hintergrund: Der Verein sucht Mitarbeitende für Büroarbeiten, die bei der Organisation, Kommunikation und Verwaltung helfen und so einen wichtigen Beitrag zum Fortbestehen leisten können. ⋌shs
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