Werner Rüegg
ist seit 1978 Mitglied des Schützenvereins Walde–St.Gallenkappel.
65 Jahre verheiratet – das ist eine beeindruckende Leistung. Hedy und Raymund Wenk erreichen dieses seltene Jubiläum und feiern an Ostern ihre Eiserne Hochzeit. Das Ehepaar kennt sich schon seit ihrer Schulzeit und hat praktisch das ganze Leben zusammen verbracht.
Schmerikon Dass die beiden schon viele Jahre gemeinsam verbracht haben, merkt man Hedy und Raymund Wenk an: Gegenseitige Blicke, eine kleine Berührung zwischendurch und das kleine Lächeln im Gesicht, wenn sie übereinander sprechen. Hedy Wenk fasst es passend zusammen: «Wir leben füreinander.» In den 65 Jahren gemeinsamer Ehe ist viel passiert: Drei Töchter, fünf Enkelkinder und vier Urenkel ergänzen unterdessen die Familie.
An ihre Hochzeit kann sich Hedy noch ganz genau erinnern, auch wenn es bereits 65 Jahre her ist. Am 5. April waren sie auf dem Standesamt, und ein Tag später fand die kirchliche Hochzeit statt. Für Hedy zählt der 6. April als richtiger Hochzeitstag, denn ihr ist die Kirche wichtig. Beim Erzählen gerät sie ins Schwärmen: «Es war ein unglaubliches tolles Fest, dieser Tag wird immer in meiner Erinnerung bleiben.» Zusammen mit ihrem Ehemann Raymund blättert sie im Fotoalbum, dass sie zu ihrem 25. Hochzeitstag bekommen haben – unter anderem mit Bildern von ihrem Hochzeitstag. «Dieses Foto mag ich besonders», sagt Hedy und zeigt auf eines, auf dem ihr Schleier im Wind wehte. «Hier stehen wir von meinem Elternhaus, und der Wind hat mir fast den Schleier vom Kopf gerissen.» Generell kann sich Hedy noch an ganz viele Details aus dem Fotoalbum erinnern. Immer wieder fällt ihr ein Bild ins Auge, und zu jedem kann sie eine ganze Geschichte erzählen. Nun gibt es hoffentlich bald Bilder für ein neues Fotoalbum: An Ostern feiern die beiden ihre Eiserne Hochzeit. «65 Jahre, das ist nicht selbstverständlich», sagt Hedy, «wir sind dankbar, dass es uns noch so gut geht.» Um diesen besonderen Tag gebührend zu feiern, trifft sich am Ostersonntag die ganze Familie zu einem Brunch in Rapperswil – mit Kindern, Enkel und Urenkel insgesamt 19 Personen. «Mit der Zeit sind wir eine ziemlich grosse Truppe geworden», sagt Hedy lachend. «Wir unternehmen viel gemeinsam und haben schon immer viel gefestet.» Das bestätigen die vielen Fotos im Album, auf denen die ganze Familie beisammen ist und zusammen feiert. «Zusammen haben wir viele schöne Geschichten erlebt», fasst Hedy zusammen.
Eine schöne Geschichte ist auch, wie sich Hedy und Raymund kennengelernt haben – eigentlich sind es sogar zwei. Kennen tun sie sich nämlich seit ihrer Schulzeit. «Raymund hat immer für mich gezeichnet, weil er das viel besser konnte als ich», erinnert sich Hedy, «aber natürlich haben das die Lehrer nicht gewusst.» «Und du hast mirimmer abgeschrieben», fügt Raymund schmunzelnd hinzu. Lieben gelernt haben sich die beiden dann einige Jahre später. Am 16. Februar 1956, wie Hedy präzisiert. An diesem Tag musste sie mit einem Schlitten die Milch hinunter ins Dorf bringen. Auf dem Nachhauseweg traf sie auf Raymund. Sie haben sich unterhalten und Raymund bot schliesslich an, den Schlitten für sie nach oben zu ziehen. «Und so hat unsere gemeinsame Reise begonnen», schliesst Hedy. Dieser Tag ist auch in einem von Hedys Tagebüchern verewigt – davon besitzt sie ganze 56 Stück. Sie dienen ihr als eine Art Nachschlagewerk. «Ich habe das Glück, ein gutes Gedächtnis zu haben. Wenn ich aber doch mal bei etwas unsicher bin, kann ich es so nachlesen.» Auch die Familie frage oft nach, wenn sie etwas nicht mehr so genau weiss. Eine Enkelin hat mal den gesamten Sommer damit verbracht, in den Tagebüchern zu lesen. «Sie war erstaunt darüber, was wir alles gemeinsam unternommen haben, als sie noch ein kleines Kind war», erzählt Hedy. «Ohne die Tagebücher hätte sie sich nicht mehr daran erinnert.» Die Familie steht bei Hedy und Raymund generell an erster Stelle. Die schönsten Momente erlebte das Ehepaar mit ihr: «Besonders toll waren natürlich die Hochzeiten unserer Töchter und die Taufen unserer Enkel und Urenkel.»
Auf die Frage, ob die beiden sich eigentlich auch manchmal streiten, antwortet Hedy sofort: «Na klar, manchmal sind auch die Fetzen geflogen.» Aber, fügt sie sogleich hinzu, sie seien nie im Zorn schlafen gegangen, sondern hätten sich immer am Abend wieder vertragen. Sie schätzt auch, dass Raymund ihr gegenüber nie nachtragend war. «Wenn wir fertig diskutiert hatten, war die Sache immer gegessen.» Raymund ergänzt: «Und wir hatten gar keine Zeit, um uns oft zu streiten.» Beide haben gearbeitet, und neben Haus, Garten und den eigenen Rebbergen blieb nicht viel Zeit für Streitereien. Glücklicherweise gab es bei Hedy und Raymund nie wirklich grosse Probleme. Keinerhat etwas getan, dass der andere hätte verzeihen müssen. «Wir sind so verwurzelt und haben immer füreinander gelebt», erklärt Hedy. «Wir wären gar nie auf die Idee gekommen, etwas Unverzeihliches zu tun.» Als Geheimrezept für eine lange und glückliche Ehe nennt Hedy ihr persönliches Lebensmotto: «Glücklich ist, wer vergisst, was nicht zu ändern ist.» Und Raymund fügt mit einem Schmunzeln hinzu: «Man darf einander nicht verrückt machen.» Insgesamt seien beide immer positiv eingestellt und füreinander da gewesen. «Wir raten allen, immer zu reden und Probleme direkt anzusprechen, statt sie herunterzuschlucken», sagt Raymund. «Genau», stimmt Hedy zu, «denn ich einer Ehe gibt es keinen Gewinner oder Verlierer.» Kommunikation sei das Allerwichtigste, ansonsten leide einer von beiden. «Und jetzt im Alter brauchen wir einander noch mehr», sagt Hedy und klappt das Fotobuch zu. Sie und Raymund hoffen, gemeinsam sogar 70 Jahre Ehe zu erreichen. Und wer weiss, vielleicht gibt es bis dann ein weiteres Fotoalbum.
⋌shs
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