Pascal Bruni
freut sich als Präsident des Vereins Zentrum Wattwil auf die Einkaufsnacht.
Seraina Betschart absolviert derzeit die Ausbildung zur Hebamme. Aktuell sammelt die Nesslauerin ihre ersten praktischen Erfahrungen in der Gebärabteilung des Spital Linth in Uznach.
Region Schon früh konnte sich Seraina Betschart vorstellen, einmal Hebamme zu werden – allerdings nicht direkt nach der Schule. «Ich glaube, dann wäre es mir zu viel geworden», sagt die 24-Jährige. Stattdessen absolvierte sie zunächst die Ausbildung zur Fachfrau Gesundheit und bildete sich anschliessend zur diplomierten Pflegefachfrau weiter. «Danach merkte ich aber relativ schnell, dass ich das nicht die nächsten 40 Jahre machen möchte.» Also entschied sie sich, den Hebammenberuf näher kennenzulernen, absolvierte eine Schnupperzeit, bestand die Aufnahmeprüfung und begann im Februar dieses Jahres ihr Studium in Bern.
Faszination für vielseitigen Beruf
Nach einem ersten Semester mit Theorieunterricht ist Betschart nun seit rund zwei Monaten im Praktikum in der Gebärabteilung des Spital Linth in Uznach. «Das war am Anfang schon eine krasse Umstellung», erinnert sie sich. «Klar hat man die Theorie gelernt, aber in der Praxis ist dann nochmals alles anders.» Gleichzeitig ist sie schon jetzt begeistert von ihrem künftigen Beruf. «In der Pflege geht es immer um Kranke und Krankheiten. Bei einer Schwangeren ist das nicht so.» Schwangerschaft und Geburt seien etwas Schönes und Positives. Auch die Beziehung zwischen Hebamme und werdender Mutter sei eine andere als in der Pflege: «Wir sind mit den Frauen per Du und unterhalten uns auch über Persönliches – das ist mit anderen Patientinnen und Patienten eher weniger der Fall.» Besonders fasziniert Betschart die Vielseitigkeit des Berufs: Hebammen begleiten Frauen von Beginn der Schwangerschaft bis etwa ein Jahr nach der Entbindung. Schwangerschaftskontrollen und Unterstützung bei der Geburt gehören ebenso dazu wie die Begleitung im Wochenbett. Im Moment freut sich Betschart am meisten, wenn sie eine Geburt begleiten darf. Denn bis zum Ende ihres Studiums muss sie 40 begleitet haben. «Besonders schön ist es, wenn eine Frau, die ich von der Vorsorgeuntersuchung kenne, in meiner Schicht ihr Kind bekommt», sagt sie. Beeindruckt ist sie zudem vom breiten Fachwissen ihrer Berufskolleginnen: «Die Hebammen, die ich im Praktikum unterstützen darf, sind extrem kompetent und können immer abschätzen, was gerade gebraucht wird.» Umso stolzer macht es die 24-Jährige, wenn sie von diesen Kolleginnen für ihr eigenes Wissen gelobt wird und ihr mehr zugetraut wird.
Zwischen Theorie und Praxis
Dass sie als gelernte Pflegefachfrau bereits Vorwissen mitbringt, zeigt sich auch im Studium. Weil ihr frühere Ausbildungsleistungen angerechnet werden, dauert der Bachelor zur Hebamme für sie nur zweieinhalb statt vier Jahre. «Im ersten halben Jahr ging es vor allem um die normalen, physiologischen Abläufe rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett», erklärt Betschart. Die Studierenden beschäftigen sich dabei mit Themen wie Schwangerschaftsvorsorge, Geburtshilfe, Wochenbettbetreuung, Stillzeit sowie der Versorgung des Neugeborenen. Ergänzt werden die fachlichen Inhalte durch Kommunikationstrainings, wissenschaftliche Grundlagen und interprofessionelle Module gemeinsam mit anderen Gesundheitsberufen. Ab dem Herbst rücken dann Situationen in den Fokus, die von der Norm abweichen. «Dann geht es darum, Komplikationen und Regelabweichungen zu erkennen und richtig zu handeln», sagt Betschart. Theorie und Praxiseinsätze wechseln sich dabei während des gesamten Studiums regelmässig ab.
Eine intensive, aber wertvolle Zeit
Neben den spannenden Einblicken bringt das Studium aber auch Herausforderungen mit sich. Während der Theorieblöcke lebt Betschart in einem WG-Zimmer in Bern, wo sie die Schule besucht. Um das Studium finanzieren zu können, arbeitet sie an den Wochenenden weiterhin als Pflegefachfrau in der Berit Klinik in Wattwil. So muss die Nesslauerin regelmässig zwischen dem Toggenburg und Bern pendeln. «Ich habe aktuell wenig Freizeit, aber der Entscheid dafür fiel bewusst und es ist es mir wert», so Betschart. Mit dem Bewusstsein, dass es eine strenge Zeit wird, hat sie sich für die Schule realistische Ziele gesetzt: «Es reicht mir, wenn ich im vorderen Drittel der Klasse bin und beim Stoff gut mitkomme. Ständig 6er schreiben muss ich nicht.» Für Betschart lohnt sich der Aufwand bereits jetzt. Sie ist überzeugt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr eine Geburt, die sie erst kürzlich miterleben durfte. «Die Frau war so in Ruhe, auch bei Schmerzen. Es war eine wunderschöne Geburt», schwärmt sie. Jugendlichen und anderen Interessierten, die ebenfalls Hebamme werden möchten, rät Betschart, den Beruf zuerst kennenzulernen: «Geht schnuppern und sprecht mit Hebammen, damit ihr wisst, was euch erwartet.» Wichtig seien ausserdem Einfühlungsvermögen, die Fähigkeit, die Bedürfnisse anderer wahrzunehmen, sowie Offenheit und Kommunikationsfreude. Wie ihr eigener Berufsweg nach dem Studium aussehen wird, weiss sie noch nicht. «Optionen habe ich viele. Ich werde dann sehen, was zu meiner künftigen Lebenssituation passt.»
shs
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