Roger Blatter
gestaltete mit Freunden die Fasnacht Ebnat-Kappel neu.
Barbara Soreia Wojak sieht das Leben nicht schwarz-weiss, sondern türkis – und das mit Herz und Humor.
Neulich lese ich auf Facebook einen dieser typischen Aufregerposts. Da schrieb jemand, Ausländer in der Schweiz grüssen nicht, lernen kein Deutsch und passen sich nicht an. Ich sitze da, nippe an meinem Kaffee und denke: Ui, spannend. Denn, Hand aufs Herz, ich bin ja selber eine Ausländerin. Seit über achtzehn Jahren lebe ich nun in der Schweiz. Und ja, ich spreche kein Schweizerdeutsch. Wenn ich es versuche, laufen sie weg und rufen: „Lass es, Barbara!“ Also lasse ich es. Dafür lache ich. Und denke mir: Wir sind doch alle Menschen. Wir atmen dieselbe Luft, egal ob sie über Deutschland, Syrien oder Appenzell weht. Aber was steckt eigentlich hinter solchen Gedanken? Wer bestimmt, was sich gehört, und wann fängt Zugehörigkeit überhaupt an? Mutter Erde kennt keine Grenzen, die haben wir Menschen gezogen. Grenzen in Ländern, in Köpfen, in Herzen. Und je dicker die Mauern, desto kleiner der Blick. Ich erinnere mich an mein erstes kulinarisches Missverständnis. In Deutschland ist eine Paprika schlicht eine Paprika, in der Schweiz dagegen genau
dieselbe Paprika plötzlich eine Peperoni. Die ist scharf, sehr scharf. Holla die Waldfee. So viel also zum Thema Verständigung. Manches scheint einfach anders, als es ist. Vielleicht gilt das nicht nur für Gemüse, vielleicht auch für Menschen. Wir sind alle geprägt, erzogen, konditioniert. Jede Kultur hat ihre eigenen Regeln. Doch was wäre, wenn wir aufhörten, uns an Etiketten festzuhalten? Wenn wir statt in Nationalitäten wieder in Menschlichkeit denken würden? Ich habe gelernt, dass es nicht darauf ankommt, woher jemand kommt, sondern was aus ihm spricht. Und das ist meist Herz oder Angst. Wenn wir uns also wünschen, dass uns mit Achtung begegnet wird, müssen wir selbst damit anfangen. Wie sagte einmal ein kluger Mensch: Kehre vor deiner eigenen Tür, dann bleibt dein Haus sauber. Und vielleicht gilt das auch für Gedanken. Ich wünsche mir, dass wir wieder beginnen, Mensch zu sein. Respektvoll, achtsam, echt. Denn am Ende zählt nicht, ob jemand sagt, Grüezi, Hallo oder Bonjour, sondern ob es aus dem Herzen kommt. Und ja, ich gebe es zu, die Schweizer hatten es mit mir sicher nicht immer leicht. Nicht jeder versteht meinen türkisfarbenen Humor, aber ich verspreche, mein Herz ist gross genug für alle.
Barbara Soreia Wojak
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